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Diktatur Mobutu


Mobutu Sese Seko 1973Mobutu Sese Seko (1930-1997) (2. v.l.), neben ihm Richard Nixon.
(Bild Quelle: Wikipedia)

Joseph-Désiré Mobutu hat die Zeit von der Unabhängigkeit des Kongos bis zu seiner Machtübernahme 1965 optimal genutzt und sich ein weitläufiges Netzwerk, bestehend aus Kontakten und Verbindungen aufgebaut, sowohl innerhalb des Staatsapparates als auch außerhalb.

Diktatur Mobutu Dieses Netzwerk machte den Generalleutnant Joseph-Désiré Mobutu nahezu unantastbar und seine Gegner angreifbar.

Die anfängliche Sympathie der Bevölkerung, die sich nur noch Frieden wünschten, schlug schnell um. Mobutus Staatsführung war geprägt von Korruption und Gewalt, mögliche Machtzentren und Bestrebungen wurden frühzeitig im Keim erstickt. Die Basis seiner Macht war das Militär und seine Verbündeten. Anfangs wurden die Regionalparlamente aufgelöst und jede politische Betätigung sowie ethnische Verbände verboten.

Joseph-Désiré Mobutu ernannte sich am 22. März 1966 selbst zum Präsidenten und erklärte den späteren General Léonard Mulamba zum Premierminister. Évariste Kimba, der frühere Premier, und etliche Minister der einstigen Regierung wurden hingerichtet, um eine Exempel zu statuieren. Der abgesetzte Joseph Kasavubu wich in sein Heimatdorf zurück, während Moïse Kapenda Tschombé ins Exil nach Spanien ging und in Abwesenheit des Hochverrats für schuldig befunden wurde. In den 60er und 70er Jahren vollzog sich die „Afrikanisierung“ des Einparteienstaats, die unter anderem die Umbenennung der Städte und die Veränderung der Landesbezeichnungen in Zaire einschloss. Ab 1972 nannte Joseph-Désiré Mobutu sich Mobutu Sese Seko Kuku Ngbendu wa Zabanga beziehungsweise Mobutu Sese Seko Nkuku wa za Banga (grob übersetzt:„der allmächtige Krieger, der auf Grund seiner Ausdauer und seines Siegeswillens flammenden Schrittes von Sieg zu Sieg schreitet“). Im darauf folgenden Jahr wurde die Wirtschaft „afrikanisiert“, große Unternehmen (meist belgisch) wurden verstaatlicht. Durch die Verstaatlichung und die politische Allianz Mobutu - USA wurden die einstigen Kolonialherren wirtschaftlich und politisch bedeutungslos. Die Korruption innerhalb der Führungsschicht des Landes war geradezu alltäglich und betraf auch Entwicklungsgelder, Investitionen blieben aus. Der Verwaltungsapparat war geschwächt und im Grunde funktionsuntüchtig, die Wirtschaft von Zaire bröckelte und war Ende der 80er Jahre vollständig am Boden. Als sich die kommunistischen Staaten auflösten und der Kalte Krieg endete, verlor Zaire seine Position als Stützpfeiler in Zentralafrika und die Allianz zwischen Mobutu und seinen Verbündeten wurde brüchig Bisher konnte Mobutu Aufstände und Invasionen (auch durch die Hilfe der Verbündeten) erfolgreich niederschlagen und Putschversuche verhindern. Doch der Unmut in der Bevölkerung über das Regime wuchs, ebenso wie der Wunsch nach Demokratie und Mobutu musste, auch wegen des internationalen Drucks, reagieren. Gewerkschaften durften gegründet werden, die Kleiderordnung wurde gelockert (Abacost war keine Pflicht mehr, Aufhebung des Hosenverbots für Frauen usw.). Der Diktator gab 1990 das Ende des Einparteiensystems bekannt, woraufhin innerhalb kurzer Zeit mehr als 200 Parteien entstanden und 1991 eine souveräne Nationalkonferenz einberufen wurde. Diese wurde Anfang 1992 durch den Premierminister Nguza Karl-i-Bond aufgelöst mit der Begründung, dass die Zahl der Delegierten nicht immer im Verhältnis zu der jeweiligen Bevölkerungsdichte stand, dass also einige politische Regionen mehr Repräsentanten zur Nationalkonferenz entsandt hatten als ihnen auf Grund ihrer Bevölkerungszahl zustand. Es drängt sich der Gedanke auf, dass die Organisatoren nicht unbedingt unbedacht handelten, sondern diesen Sachverhalt als Argument für die Auflösung der Nationalkonferenz nutzen wollten. Die „Sprengung“ der Nationalkonferenz führte zu etlichen Unruhen und Demonstrationen, weswegen Mobutu dazu genötigt war, die Nationalkonferenz wenige Monate später wieder einzuberufen. Das eigentlich angestrebte Ziel der Versammlung, der Aufbau eines demokratischen Staatssystems, konnte leider nicht erreicht werden, was unter anderem auch an dem Mobutu Regime lag. Durch gerissene Schachzüge und gesetzeswidrige Entscheidungen versuchte der Diktatur den demokratischen Aufwind zu verhindern beziehungsweise zu beschränken und die Macht beizubehalten. Zaire litt unter den internen Machtkämpfen, der desolaten Wirtschaft, den schweren Unruhen (Rebellengruppen drängten sich ins Land) und den gewaltigen Flüchtlingsströmen aus den Nachbarstaaten, die wiederum ethnische Konflikte schürten. Die Zeit eines erneuten Machtwechsels war gekommen. 1996 schlossen sich vier Parteien zu einem Zweckbündnis, das sich gegen Joseph-Désiré Mobutu richtete, zusammen. Es entstand die Alliance des Forces Démocratiques pour la Libération du Congo an deren Spitze sich Laurent-Désiré Kabila befand. Der von Ruanda und Uganda unterstützten Alliance des Forces Démocratiques pour la Libération du Congo gelang es am 16. Mai 1997, den Diktator Mobutu zu stürzen und dem korrupten und brutalen Regime ein Ende zu setzen. Mobutu, zwischenzeitlich schwer krank (Prostatakrebs), ging ins Exil nach Marokko, wo er bereits im September 1997 seinem Leiden erlag. Laurent-Désiré Kabila proklamierte noch im Mai 1997 seine Präsidentschaft.


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